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Gedanken des Projektleiters


Von Aussen- zur Innensicht
Ranglisten sind beliebt (und umstritten). Es gibt sie für die wirtschaftsfreundlichsten Länder, für die beliebtesten Arbeitgeber, für die schönsten Hotels und in der neusten Ausgabe der Zeitschrift „Bilanz“  auch für die Lebensqualität der 134 Schweizer Städte (siehe www.bilanz.ch). Diese Rangliste fördert ein erstaunliches Gefälle für die Stadtregion Luzern zutage. Die Stadt Luzern steht (hinter Zug und Zürich) auf dem 3. Rang an der Spitze, Kriens mit 68. Rang im Mittelfeld und Ebikon (106. Rang) und Emmen (117. Rang) am Schluss der Rangliste. Der geneigte Leser fragt sich, wie kann auf so kleinem Raum die Lebensqualität so unterschiedlich sein. Und leben Ebikonerinnen und Emmer wirklich im Elend?  Wer die Forumsveranstaltungen in Ebikon und Emmen besucht hat, kommt zu anderen Schlüssen. In vielen Voten und Äusserungen wurde auf das vielfältige Vereinsleben, die guten Wohnlagen und andere Qualitäten der beiden Gemeinden hingewiesen.
Die Rangliste der Bilanz gibt die Aussensicht wieder: Der Stadt Luzern ist es gelungen, ihr Bild als lebenswerte und attraktive Stadt zu pflegen, während Ebikon und Emmen das Image von anonymen Vorortsgemeinden anhängt. Mit der Innensicht – nämlich jener der Einwohnerinnen und Einwohner – hat das wenig zu tun. Und dennoch haben das Image – oder im Wirtschaftsleben die Marke – weitreichende Auswirkungen auf das Verhalten und die Entscheidungen der Menschen.
P.S: Zum Trost: Ich bin in der Nähe von Amriswil (125. Rang) aufgewachsen.
Juni 2010



Der Vorstoss in die 4. Dimension – die Agglomeration
Jedes Kind lernt es in der Schule:  Der Schweizer Staat besteht aus den drei Ebenen Gemeinden, Kanton und Bund. Dass die Realität weit komplizierter ist, entdecken wir meist später: So gibt es innerhalb der Kantone Bezirke, Städte sind in Kreise eingeteilt. Oder Gemeinden schliessen sich zu Zweckverbänden zusammen, und Kantone bilden Konferenzen. Es besteht ein vielfältiges Geflecht von Kooperationen und Koordinationen staatlicher Organisationen und Ebenen, das – wenn überhaupt – nur noch wenige Fachleute überblicken.
Und seit einigen Jahren wird es noch komplizierter: Die Agglomeration hat an Bedeutung gewonnen. Diese gelten als eigentliche Motoren der wirtschaftlichen Entwicklung und oft auch als wichtige Bezugsgrösse des sozialen Lebens:  Zur Agglomeration Luzern gehört in diesem Sinn, wer mit seinen Freunden dort ins Theater oder ins Kino geht, den medizinischen Spezialisten oder die weiterführende Schule besucht, unabhängig, ob er in Malters, Küsnacht, Hergiswil oder Sarnen wohnt. Als unmittelbare Folge dieser Entwicklung beginnen einzelne, die Schweizer Karte neu zu zeichnen: Statt 26 Kantone neu  5 oder 6 Metropolitanregionen, 9 Funktionalregionen oder 12 Agglomerationen – je nach Abgrenzungskriterium. "Baustelle Föderalismus" nennt sich das.
Februar 2010



Wie stark sind die „weichen“ Faktoren?
Der 12. November hat sich schweizweit als Tochter- bzw. immer mehr auch als Sohn-Tag durchgesetzt. Auch Nicolas, mein 12jähriger Sohn, fährt heute mit mir im Zug zur Sitzung des Kommunikationsstabs nach Luzern. Er hat extra eine Krawatte angezogen. Nicolas ist gespannt, was passieren wird und blättert neugierig die Sitzungsunterlagen durch. Dabei ziehen vor allem die Wappen der  fünf Gemeinden sein Interesse an. Die drei weissen Fischerhacken auf schwarzem Grund von Emmen lassen sich wohl durch den Fluss erklären. Was bedeutet die Blüte mit den Seerosenblättern von Ebikon? Was gibt der kleine schwarze Bär dem grossen Mönch im Wappen von Kriens? Und worin unterscheidet sich eigentlich das Wappen der Stadt Luzern vom Kanton Luzern? Eines ist für Nicolas klar: Das Wappen von Adligenswil gefällt ihm am besten. Dieser schwarze Löwenoberkörper mit der feurigen Zunge und den drei wilden Schwänzen ist an Dramatik nicht zu überbieten.
Mir geht auf der Fahrt vor allem der Gedanke durch den Kopf: Sind diese Wappen weiche Faktoren, die einen Teil der Identität der Menschen ausmachen und darum so stark sein können?
November 2009



Christian Sauter

             Christian Sauter
            Externer Projektleiter

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